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Zweiter Teil der ersten Reise//Umgestaltung des Alltags der Kinder in Indien

Um halb 7 Uhr früh kamen wir dann im – zu diesem Zeitpunkt – sehr ruhigen Udaipur an und vertrauten diesmal auf meinen Reiseführer, der uns zu einem bunt bemalten, mitten in der Altstadt gelegenen Hotel führte. Dort zahlten wir für ein sehr großes Doppelzimmer mit Bad 700 Rupies (also jeder so um die 4 Euro)... Im gemütlichen Palmengarten durften wir dann mit einer Schildkröte zu unseren Füßen als einige Gesellschaft ein sehr gutes Frühstück und vor allem den besten Kaffee seit langem genießen. Udaipur ist auf alle Fälle eine Stadt, die für alle Indienreisende, einen Besuch wert sein sollte: Trotz der zunehmenden Touristenzahl und der damit verbundenen Kommerzialisierung der Stadt haben die kleinen, hügeligen Gassen ihren eigenen Flair behalten. Man fühlt sich ein bisschen wie in Südeuropa mit mehr Kühen und mehr Kamelen. In diesen Gassen hat jedes Haus etwas ganz eigenes: Eine besonders intensive Farbkombination, einen sorgfältig gezeichneten, bunten Elefanten neben der Tür oder einfach eine Kuh, die vor der Schwelle ein Chapati verspeist.
In einem vom Finanzminister errichteten japanischen Felsgarten, der auf einen Hügel führt, bekamen wir dann noch die nötige Portion an purer Natur und oben einen schönen Ausblick auf die zwei großen Seen Udaipurs. Nach einsetzendem Monsunregen setzten wir uns in eine Autorikscha, was einer stürmischen Bootsfahrt gleich kam. Deutlich entspannender war es aber dann doch die überfluteten Straßen aus unserem Hotelzimmer zu beobachten.. Dieser erste richtig lang andauernde Regen, den ich in Indien zu spüren bekam, war bald aber auch nicht mehr sichtbar, so dass wir uns auf den Weg für eine täglich stattfindende Veranstaltung, bei der extra für Touristen rajasthanische Musik und Tänze präsentiert werden, machen konnte. Das stellte sich aber schwieriger als gedacht heraus, da zu Ehren von Ganesha eine Art Umzug durch die ganze Stadt ging. Ein indischer Umzug hat nicht wirklich ein Ziel, sondern zieht mehr oder weniger im Kreis herum, die verschiedenen Gruppen kreuzen sich immer wieder, manchmal spuckt der ein oder andere etwas Feuer, manchmal greift eine alte Frau im Sari zum Mikrofon und gibt Ganesha-Mantra zum Besten. Teilweise mussten wir gezwungenermaßen im Zug mit laufen, am Anfang war es recht interessant, aber nach einer Stadt wurde es eine kleine Belastung für die Nerven, abwechselnd vor Feuerspuckern, Wagen mit Ganesha Statuen und wild tanzenden Indern auszuweichen und nebenbei noch den richtigen Weg zu finden.

Die Aufführung, die wir nahezu rechtzeitig erreichten, war dann zwar sehr touristisch gestaltet und überraschend kurz (fünf Auftritte), aber doch interessant anzusehen.
Mit der rajasthanischen Musik (spezielle Instrumente) als Begleitung, tanzten dann mehrere Frauen. Das Erfreuliche war, dass sie im Gegensatz zu den Tänzerinnen in Bollywoodfilmen nicht dünn, nicht jung und nicht ungewöhnlich weiß waren. Ganz normale indische Frauen eben. Das Highlight war eine Frau um die 50, die über 10 Töpfe auf ihrem Kopf balancierte und dabei elegante Bewegungen machen, in die Hocke gehen und sich wieder aufrichten konnte. Trotz der touristischen Ausrichtung, war alles im Gesamten recht authentisch – so lachten sich die Frauen, die gemeinsam tanzten ununterbrochen an.

Am letzten Tag unserer Reise machten wir einen vier Stunden Ritt auf Marwaripferde (Vollblüter mit nach innen gedrehten Ohren). Der Betrieb wird von einer deutschen Soziologin, die seit 12 Jahren in Indien lebt (was natürlich nie geplant war), geleitet.
Mit einem indischen Führer ging es dann hoch in die bergige Umgebung Udaipurs, wo wir durch Dörfer und durch Flüsse, auf steilen Abhängen und auf ebenen Waldpfaden ritten. Alles Orte, an die man zu Fuß nie hin gehen würde. Und endlich hatte ich mal die Gelegenheit einen minimalen Einblick in das Dorfleben zu bekommen. Dauernd fragte ich mich, ob ich da an den Frauen vorbei reite, die immens diskriminiert werden, ob ich da an Familien vorbei reite, die so abgelegen wohnen, dass im Krankheitsfall jede Hilfe zu spät kommt, ob ich da an welchen der 51% unterernährten Kinder Indiens vorbei reite. Ich sah einige Wasserbrunnen und glücklicherweise auch einige Schulen! Auf alle Fälle ist es dort oben eine ganz andere Welt als in den Städten Indiens und vor allem nach diesem minimalen Einblick wundert es mich überhaupt nicht mehr, warum in den Büchern, die ich über Indien von Indern lese, Politik und Maßnahmen in Stadt und Dorf strikt getrennt werden.
Ansonsten bescherte uns der Ritt wunderschöne Ausblicke und einen heftigen Muskelkater für die folgenden Tage...

Am Nachmittag erfüllte ich mir dann meinen persönlichen Wunsch – eine Bootsfahrt auf dem Lake Pichola. Obwohl überteuert und zu kurz, genoss ich jeden Augenblick und machte aus jeder Perspektive Fotos von dem berühmten Hotel, das mitten im See gelegen ist und als Kulisse für viele Filme und für viele Millionärshochzeiten diente.



Nach diesem erlebnisreichen Tag mussten wir schließlich wieder den Nachtzug nach Delhi nehmen, wo wir um halb 7 Uhr morgens ankamen und drei Stunden später bei der Arbeit erscheinen mussten. Selten hab ich so lange auf ein und den selben Fleck meiner Excel-Tabelle gestarrt...

Meine Schlussfolgerungen aus der Reise sind folgende:
- Zugfahren in Indien ist unheimlich praktisch und billig.
- Wenn man etwas sucht, findet man richtig gute und billige Hotels.
→ Reisen in Indien im Bezug auf Transport und Unterkunft ist ziemlich einfach und sollte man dementsprechend oft machen (deshalb setze ich mich jetzt unter Druck, wenigstens noch eine „größere“ Reise zu machen)
- Jaipur und Udaipur sind komplett unterschiedlich untereinander und im Vergleich zu Delhi
- beide Städte waren schön, hatten ihren eigenen Flair, es war schön, etwas anderes als Delhi zu sehen, aber im Großen und Ganzen ist Delhi der perfekte Ort zum Leben – bei der Größe und Vielfalt an Sehenswertem wird es nie langweilig und man ist einfach im Zentrum von allem.



Am Mittwoch fand dann das monatliche Treffen der internationalen Freiwilligen meiner NGO statt, bei dem Erfahrungen, Probleme, Ratschläge, etc ausgetauscht werden sollen. Überraschenderweise (für mich selber) berichtete ich ganz ehrlich und offen über meine Sorgen betreffend der Bindung zu den Kindern, inwiefern es mich stört, dass ich oft nur als Nachhilfelehrerin fungiere, und inwiefern sich das aber aufgrund meiner Arbeitszeiten im Heim nicht wirklich ändern lässt. Und siehe da: ursprünglich ist für die Kinder pro Tag mindestens eine halbe Stunde vorgesehen, in der sie in den nahegelegenen Park gehen, spielen, sich bewegen und den Kopf frei kriegen. Momentan war aber anscheinend keiner von denen bereit, die es wussten, und alle, die bereit gewesen wäre, wussten es nicht. Denn natürlich dürfen die Kinder nicht alleine dort hin gehen. Nachdem uns das die Freiwilligenkoordinatorin erklärt hatte, bekam ich sofort Unterstützung von zwei Kanadierinnen, die jeweils zweimal die Woche im gleichen Heim Nachhilfe geben, die ebenfalls der Meinung sind, dass die Kinder viel zu viel Zeit mit Lernen und vor allem drinnen, im Haus, verbringen. Freiwillige haben ja meistens genug Energie und Motivation, etwas zu ändern, so dass wir am gleichen Tag unseren Plan sofort in die Tat umsetzten und einige der Kinder (nicht alle, da manche nicht da waren oder manche gerade Besuch von ihren persönlichen Nachhilfelehrern hatten...) mit in den Park nahmen, der überraschend groß und sauber war. Aus unserem Repertoire und dem der Kinder konnten wir viele spaßige Spiele aussuchen und alle waren begeistert dabei. Da war das Bauchweh von vorher, die Unlust von vorher oder der Lernstress von vorher schnell vergessen.. Am nächsten Tag wurden wir auch sofort mit der Frage, wann wir denn wieder in den Park gehen, empfangen. Diesmal waren mehr Kinder dabei, u.a. auch ein Mädchen, das etwas kräftiger ist, kaum redet, sehr schüchtern ist und eine Art psychische Krankheit (ausgelöst von einem Trauma hat) hat. Wann immer sie den Ball oder ein Kind fing, klatschten alle jubelnd und beglückwünschten sie. Ihr Lächeln wurde im Laufe der Spiele immer, immer größer...

 

 

Im nächsten Eintrag werde ich versuchen, endlich mal wieder spannende Themen zu erörtern. Wie das schon ewig geplante "Grüne Delhi" oder andere Aspekte der Gesellschaft. Leider sind die letzten Einträge fast zu chronologischen Reiseberichten ausgeartet...

 

23.9.13 19:11
 
Letzte Einträge: Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Pädagogik, Rastafaris und Inspiration in Jamaika , Drei Monate Jamaika - Überraschungen, Freuden der Natur, Fassungslosigkeit, Erste Eindrücke aus Ecuador, Menschen in Quito und Verkaufsstrategien


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Gerd Rudel (23.9.13 19:30)
Wir sind schon sehr gespannt auf weitere Fotos!

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