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krankenhaus, Mängel im Waisenhaus und andere schöne Geschichten aus Indien

 

Die Schuld für die lange Leere auf meinem Blog kann ich mit gutem Gewissen auf Dengue-Moskitos schieben, die mich für 8 Tage in ein indisches Krankenhaus mit dem zu dieser Zeit weit verbreiteten Denguefieber brachten...





So sehen die verzweifelten Versuche der Stadt aus, die hohe Luftverschmutzung (Delhi ist einer der Städte mit der schlechtesten Luftqualität) durch kleine, mickrige Bäume, die nicht so recht wachsen wollen, zu bekämpfen. Doch genauso klein und mickrig wie die Bäume, ist die Botschaft, die bei den Menschen ankommt. Es gibt zwar überdurchschnittlich viele Parks in der Innenstadt (entweder immer einen kleinen pro Gate oder ein großer pro Block), die das grüne Bild aufwerten, doch diese Parks beherbergen alle leere, unbenutzte Mülleimer sowie große Müllberge. Zugegebenermaßen ist es unglaublich schwierig bzw. unmöglich, einen Mülleimer auf den Straßen zu finden, aber in den Parks sind sie da. Es gibt sie. Und wie reagiert die Bevölkerung Delhis darauf? Mit purer Ignoranz. Es kann nicht daran liegen, dass sie nicht wissen, was die Funktion dieser mysteriösen Behältnisse ist, zu Hause hat schließlich auch jeder irgendwo einen Eimer, in dem die Abfälle landen. Ist es also reine Bequemlichkeit? Weil man zwei Meter gehen müsste und der Boden in „greifbarer“ Nähe ist? Bei solchen Thematiken darf man einfach keine Akzeptanz walten lassen, so etwas hat nichts mit Kultur zu tun.

Immerhin gibt es eine Menge Müllmänner, die alles, was herumliegt, in ihren großen Säcken sammeln, die wiederum auf einem alten, klapprigen Fahrrad transportiert werden. Dann geschieht wahrscheinlich indische Wiederverwertung: „Wertvolle“ Gegenstände werden von armen Kindern hervor gewühlt, die Kühe essen einen Teil und der Rest wird verbrannt. Einiges davon habe ich selber schon gesehen, anderes vermute ich einfach mal frei heraus.

Es gibt jedenfalls ein großes Defizit in diesem Bereich und ich bezweifle, dass die Kampagne vom grünen Delhi in die Köpfe der Menschen hinein dringen wird...







Am Samstag vor zwei Wochen habe ich spontan beschlossen, die Nacht im Heim zu verbringen. Ich sah es als gute Möglichkeit, dem Alltag der Kinder näher zu sein, eine stärkere Verbindung aufzubauen und aus der Rolle der Nachhilfelehrerin herauszukommen. Als sie mich dann mit einem süßen Lächeln auf den Lippen fragten, überlegte ich nicht lange. Im Gesamten war es natürlich eine sehr schöne Erfahrungen, aber ich werde mich nun hier auf zwei interessante Aspekte von Mangel fokussieren.

Zum einen ist das der Mangel an Gesellschaftsspielen:
In einem der Regale stapeln sich Spiele, doch solche mit Namen wie „Who wants to be a physician?“, „Playing with Numbers“ oder „Fun with Science“. Diese werden zwar alle als Gesellschaftsspiele definiert, aber auch mit Anstrengung kann man sich damit kein gemütliches, lustiges Beisammensein vorstellen. Das Einzige, was in diese Kategorie passte waren UNO-Karten. Und als wir erst einmal anfingen damit zu spielen, bekam ich schnell den Effekt zu Gesicht, den ich erwartet habe: Die Kinder waren mit vollem Eifer dabei, vergaßen alles andere und genossen mit freudigen Augen den Moment. Diese Beobachtung bestätigt mein Gefühl, dass den Kindern nicht angemessen Spaß geboten wird. Die Betonung liegt auf Spaß bieten. Spaß haben die Mädchen ja, aber der wird in der Freizeit durch Spiele im Internet (bei denen man eine weiße Frau mit freizügiger Kleidung anziehen kann) oder durch Fernsehen erlangt. Die Mentor Mothers haben ihren Blick zu fokussiert auf die Schule gerichtet und die Zuständigen im Heim haben einfach nicht genug pädagogisches Verständnis, um den Sinn von Gesellschaftsspielen zu verstehen. Statt starr nebeneinander vor dem Fernseher zu sitzen, würden die Mädchen dabei miteinander interagieren, taktisches Denken lernen können und aktiv Spaß haben.
Ich habe auch noch einen anderen, viel schwerwiegenden Mangel entdeckt: Hygiene! Die Toilette ist auch für indische Maßstäbe extrem unsauber und dementsprechend eklig und ich sage bewusst „die Toilette“. Es gibt nämlich nur eine. Für 12 Mädchen. Aber auch die aktive Hygiene leidet extrem im Alltag, so putzten die Mädchen nur morgens die Zähne, abends das selbe zu tun scheint nicht einmal eine Gewohnheit zu sein, da mich alle überrascht anstarrten, als ich fragte, warum denn keiner Zähne putzt...

Bei diesen beiden Punkten herrscht dringender Verbesserungsbedarf und vielleicht entdeckt das bald auch die schlechtgelaunte zuständige Sozialarbeiterin, die eigentlich eben dafür da ist, den hygienischen Zustand des Heims zu überprüfen etc.



Trotz dieser entdeckten Mängel habe ich persönlich immer noch damit zu kämpfen, dass man bei meiner NGO nicht so viel bewegen kann, wie man es anderswo in Indien könnte. Es gibt so viele unorganisierte Waisenhäuser, so viele Slums, so viele Schulen in Armenvierteln, so viel benötigte Hilfe überall.. Diese Gedanken wurden durch ein Gespräch mit einer Freundin meiner Mitbewohnerin verstärkt, die bei einer Initiative von „Teach for India“ als Freiwillige mitgearbeitet hat. Sie erzählte mir von der Situation an staatlichen Schulen („meine“ Waisenkinder gehen ja alle an Privatschulen), die im Prinzip nur von Kindern aus ärmeren Verhältnissen besucht werden. Die (vom Staat!) relativ gut bezahlten Lehrer machen sich dort anscheinend nicht einmal die Mühe, jeden Tag zur Arbeit zu erscheinen geschweige denn die Kinder zu unterrichten. Das hat dann die Folge, dass die Kinder zur Unterrichtszeit herumsitzen, miteinander spielen und nicht den Sinn von Schule begreifen. Meistens kommen sie letzten Endes nur zum Mittagsessen, das die Schule den Kindern anbieten muss. Schule und Bildung bedeutet für diese Kinder also nicht der Schlüssel zu einer besseren Zukunft, die Möglichkeit etwas zu lernen und sich aus den armen Verhältnissen ihres Umfelds heraus zu kämpfen, für diese Kinder bedeutet Schule eine sichere Mahlzeit pro Tag. In solchen Schulen richtet dann die „Teach for India“-Initiative ein Klassenzimmer ein, in dem Freiwillige die Kinder unterrichten und versuchen den Kindern zu zeigen, was Schule bedeuten kann. Zudem gibt es in diesen Institutionen neben verantwortungslosen Lehrern auch einen gewaltigen Mangel an Hygiene: Die Mädchenschule, in der meine Bekannte unterrichtete, hatte keine einzige Toilette, so dass die Mädchen ihr Geschäft im Klassenzimmer (!!!) in einer Ecke vor den Augen aller verrichten mussten. Solche Zustände können nicht nur gesundheitlich gefährlich sein, sondern verletzen auch noch die Würde der Kinder und untergraben noch mehr die Bedeutung des Klassenzimmers als ein Ort des Lernens.

An solchen Orten werden Menschen, die helfen und die Verantwortungsgefühl haben, dringend gebraucht...



Sobald ich mich wieder verstärkt auf indischen Straßen bewege und mehr Inspiration oder Gedankenanstöße bekomme, werden die Einträge auch wieder schöner.. Die Geschehnisse der letzten Wochen durften nur nicht zu lange auf diesem Computer mitgeschleppt werden, so dass dieser wenig koordinierte Eintrag mit meinem noch nicht komplett funktionierenden Gehirn entstanden ist.

 

11.10.13 10:49
 
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