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Theater, Sari und Polizei in Indien

 

Momentan findet das Old World Theater Festival in Delhi statt und da ein Theaterstück in Indien groß auf meiner To-Do-Liste stand, war das die perfekte Gelegenheit. Durch meine begrenzte Zeit und durch großes Interesse entschied ich mich für 9 Parts of Desire. Für nur 1,20 € in der Kategorie der schlechtesten Plätze sah ich so eines der besten Stücke, die ich je gesehen habe, wenn nicht das Beste. Die Regisseurin und gleichzeitig Bühnenbildernin war früher anscheinend eine berühmte Bollywoodschauspielerin, meine Mitbewohnerin und Begleiterin kannte sie jedenfalls und hatte nur Gutes über sie zu erzählen. Ihre Tochter war die Schauspielerin. Die Einzige. Ein Solostück. Sie spielte neun verschiedene Frauen, neun verschiedene Irakerinnen, neun verschiedene Charaktere. Das Stück zeigte wunderbar, wie ganz unterschiedliche Persönlichkeiten in ganz unterschiedlichen Situationen und Lebensabschnitten die Zeit zwischen den beiden Golfkriegen erleben. Vom Teenagermädchen, das seit der von ihm unabsichtlich verschuldeten Verhaftung ihres Vaters mehr oder weniger in ihrem Haus eingesperrt ist, über die extrovertierte Malerin, die mit „Saddams Männern“ schläft, um ihre Sicherheit und ihre „Freiheit“ zu garantieren, bis zur kettenrauchenden, intellektuellen Seniorin, die ins Exil nach London geflohen ist. Diese drei nur als Beispiele für neun individuelle Frauen mit neun individuellen Geschichten. Es wurden sehr tragische, emotionale, lustige und traurige Szenen durch perfekt inszenierte Monologe und beeindruckende Schauspielerei kreiert.

Im Großen und Ganzen ein Stück, das mir sehr lange in Erinnerung bleiben wird.



Für den Mittwoch hatten die zwei kanadischen Freiwilligen und ich auf Wunsch der Mädchen eine eigene, kleine Modenschau im Heim organisiert. Manch einer mag nun sagen, dass eine Modenschau nicht die pädagogisch „richtigen“, moralischen Werte für heranreifende Mädchen vermittelt, doch hinter so einem denkbar kleinen Event steckt mehr Arbeit als vermutet. Wir ließen die Kinder eine Playlist, eine Reihenfolge, Dekoration und natürlich ihre Outfits selber zusammen stellen, so dass Kreativität und Organisationstalent ausreichend gefordert werden. Trotz dem bisschen Chaos, ohne das Indien undenkbar wäre, lief alles überraschend gut. Wegen des Publikums wurden sogar die Selbstbewusstesten vor ihrem Auftritt richtig aufgeregt und brauchten beruhigend motivierende Worte. Danach war das Adrenalin aber umso höher und der Stolz über den eigenen besonderen Moment umso größer.
Im Anschluss gab es noch einige Sing- und Tanzauftritte. Als es zum Singen kam und die talentierteste Sängerin zu schüchtern war, um die ersten Töne zu singen, profitierte sie von der Tatsache, dass sie (und meine Mitbewohnerinnen) mir das Lied mehr oder weniger beigebracht hatten und ich mit dem Text und wundersamerweise auch der Melodie keine allzu große Probleme hatte. Stolz und zur Verwunderung aller Gäste hatte ich also die Ehre, die ersten Töne zu singen.



Davor auf meinem Weg zum Heim geschah leider etwas weniger Erfreuliches.
Nachdem mich alle meine Mitbewohnerinnen über eine halbe Stunde in einen wunderschönen, weinrot-dunkelgrünen Sari eingewickelt hatten, und auch wenn ich dann eher griechisch als indisch aussah, fühlten sie sich nach eigener Aussage wie eine stolze Mutter. Ich fühlte mich auch recht graziös, das einzige, was mich störte, war die Tatsache, dass das einzige Unbedeckte der Bauch war, der somit auch noch zusätzlich hervorgehoben wurde. Mit flachen Schuhen ist es leider auch nahezu unmöglich graziös zu laufen (v.a. Treppen) und ich zitiere „wenn du den Sari hochhebst, um besser laufen zu können, schaust du aus wie ein Hausmädchen“. Notgedrungen wurde ich dann auf der Straße manchmal zum ausländischen Hausmädchen..
Was wie eine schöne Erfahrung klingt, wurde ein paar Minuten später zu einer sehr schlechten Erfahrung und zu einem immensen Test meiner indischen Gelassenheit... Nachdem ich die zwei kanadischen Freiwilligen getroffen hatte, einer Geld für die Snacks, die sie kaufen würde, gegeben hatte und mit der anderen eine Rikscha genommen hatte, musste ich beim Bezahlen nach der fahrt merken, dass Bezahlen für mich unmöglich werden würde: Mein Geldbeutel war weg – das Erlebnis, das jeder Indienreisende und auch die Inder selber fürchten. Aufgrund der Tatsache, dass ich am Abend verreisen würde, hatte ich alle beiden Bankkarten sowie die Krankenkassenkarte und mehr Geld als gewöhnlich dabei, um es abends nicht zu vergessen. Das wurde mir zum Verhängnis und zum Grund meiner Verzweiflung... Nach Schockstarre ging ich schnell nach Hause, ließ mich von meinen Mitbewohnerinnen (denen das auch schon mehrmals widerfahren war) beruhigen und ruf die deutsche Botschaft an, um einen Rat zu erfragen. Mein Gesprächspartner freute sich erst einmal riesig, Deutsch zu sprechen, machte mir lachend Angst, indem er sagte, dass Leute, die sich freiwillig bei der Botschaft melden, zuallererst überprüft werden, ob sie im Falle eines Erdbeben gemeldet sind (??? verstehe ich den deutschen Humor nicht mehr ???), empfahl mir eines offiziellen Dokumentes wegen zur Polizei zu gehen und erklärte mir schließlich, dass er eigentlich für die Visa zuständig sei. Nach diesem hilfreichen Telefonat machte ich mich mit zwei Mitbewohnerinnen auf den Weg zur Polizeistation. In den fünf Minuten Autorikschafahrt, schaffte es unser Fahrer dank immensem Tempo fast eine unschuldige Kuh zu überfahren und mit einem Bus zusammen zu stoßen. Auf der Polizeistation gaben wir drei jedenfalls ein schönes Bild ab – die Ausländerin in traditioneller Kleidung inmitten von zwei zwei köpfe kleineren modern gekleideten Inderinnen. Die Berichterstattung verlief dank den guten Hindikenntnissen meiner Freundinnen glücklicherweise einwandfrei.

Auch wenn mir durch diesen Zwischenfall ein bisschen die Reiselust vergangen war, brach ich abends dann schließlich zu meinem ersten Trip alleine auf.


Über die spannende Reise zum Sitz des Dalai Lamas gibt es bald einen schönen Blogeintrag.

20.10.13 08:07
 
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