Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Letztes Feedback
   31.08.13 18:17
    das mit dem nord- u. süd
   4.09.13 17:04
    bist du ein mädchen oder
   10.09.13 14:12
    Wie immer interessant, t
   23.09.13 19:30
    Wir sind schon sehr gesp
   11.02.14 23:38
    So einfach und doch so v
   26.07.14 13:21
    I loved your post.Much t

http://myblog.de/mywaythroughtheworld

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Erste Eindrücke aus den ersten Tagen in Jamaika

 

Meine Reise nach Jamaika begann mit der Reise nach München durch einen scheinbar unüberwindbaren Stau. Meine indische Geduld wurde auf das Äußerste strapaziert und ich entschied, mir auch noch Attribute der jamaikanischen Gelassenheit anzugewöhnen. Abgesehen von dem Stau (verursacht durch einen Unfall mit acht Fahrzeugen) hab ich alles richtig gemacht mit dem Abflugtermin: Am Gate es Flughafens wurde der erste Langstreckenflug über Kuba nach Jamaika von München aus gefeiert. Ein reichhaltiges Buffet voller karibischer Köstlichkeiten sorgte auf alle Fälle für gute Laune. An Bord sank die Qualität des Essens gewaltig und bot mir das ein oder andere Ärgernis. Auf meine Frage, ob das Mittagsessen vegetarisch sei, erwiderte die freundliche Stewardess: „Das schon, aber ist nicht selbstverständlich. Wenn Sie sowas wollen, müssen sie eine Sonderbestellung aufgeben,“ Wie bitte, seit wann denn das? Seit wann wird den Fluggästen ohne Respekt vor Präferenzen einfach irgendwas vorgesetzt? Es gibt schließlich nicht nur die „moralischen Vegetarier“, sondern auch die religiösen Vegetarier oder die, die auf manches Fleisch verzichten (Hinduismus, Buddhismus, Islam). Diese Vorgehensweise ist also eine Diskriminierung auf allen Ebenen. Es gibt keine Menschen, die sich ausschließlich von Fleisch ernähren. Die Basis ist vegetarisch und der Zusatz ist Fleisch/Fisch. Sollten nicht die, die den Konsum von Tieren während des Fluges ausdrücklich wünschen, eine Sonderbestellung aufgeben müssen? Somit würden alle Überzeugungen, politische Einstellungen und Glaubensrichtungen respektiert werden. Und ich dachte immer, Deutschland würde auf professioneller Ebene immer fortschrittlicher auf den Anstieg des Vegetarismus reagieren und das Angebot darauf abstimmen. Nach diesem Erlebnis (das Abendessen war dann auch tatsächlich „vegetarierfeindlich&ldquo kann es also nicht schnell genug nach Jamaika gehen. Ein Land, das trotz großem Repertoire an Seegetier als vegetarierfreundlich gilt. Zu Verdanken haben wir das der Rastafari-Religion. Innerhalb dieses Glaubenskreises werden keine Tierprodukte (vegan!) gegessen, nicht geraucht und keine Drogen konsumiert (Gras zählt zu keiner der beiden letzteren Kategorien) sowie kein Alkohol getrunken. Die Rastafaris, die Jamaikas Bild aus westlichem Auge maßgeblich beeinflussen, werde ich nun auf alle Fälle genauer anschauen und mich besser über Hintergründe für beispielsweise Verzichte dieser Art informieren.

Ach ja, ganz klischeehafte trug der erste Jamaikaner, den ich bewusst wahrnahm, eine typisch grün-rot-gelbe Mütze. Das hat mein Interesse sofort geweckt, ich bin gespannt auf Jamaikas Menschen und kann es nicht erwarten mir ein eigenes Bild fernab von Klischees zu machen...

Meine Organisation stellte ein ausführliches Handbuch über Besonderheiten, Werte, Kultur und Menschen in Jamaika zur Verfügung. An sich sehr interessant und nützlich, nur zwei Aussagen haben mich extrem gestört:
- Benutze keine rassistischen Bezeichnungen für Jamaikaner, nenne sie beispielsweise nicht Blackie
- Die Jamaikaner werden dich Whitie nennen, das ist keine Beleidigung, sondern ein freundlicher Weg, deine Aufmerksamkeit zu erlangen

Versteht mich nicht falsch, niemals würde ich Jamaikaner „Blackie“ nennen, aber es gibt immer zwei Sichten. Und beide dieser Aussagen spiegeln nur die jamaikanische Sicht wider. Es gibt auch weißen Rassismus. Aus historischem und gegenwärtigem Blickwinkel natürlich nicht den Bruchteil so dramatisch und problematisch wie das Gegenstück, aber es geht um's Prinzip:
Wenn die eine Gruppe nicht auf die Hautfarbe reduziert werden will, sollte sie auch nicht so mit der anderen Gruppe verfahren. Aber gut, ich werde sicher noch viel über die Handhabung von Rassismus erfahren.

Am Flughafen wurde ich dann vom charmanten Fahrer begrüßt, er mir gleich einen extrem positiven ersten Eindruck verschaffte. Lockere, nette Unterhaltungen geprägt von viel Humor und juhu, Jamaikaner verstehen Ironie und Sarkasmus, man muss nicht wie in Indien explizit darauf hinweisen, wenn man sich einer der beiden Formen bedient.

Nach zwei Stunden Autofahrt (rasant und risikoreich, aber im Vergleich zu Indien noch sehr „soft&ldquo begrüßte ich meine Gastmutter und -schwestern (4, 7 und 10 Jahre sowie eine andere deutsche Freiwillige) und durfte dann nach wenig Schlaf endlich in mein komfortables Bett (die Matratze ist ca. dreimal so dick wie die in Indien) fallen.
Mit einem Pfannkuchen zum Frühstück und meinem ersten Blick aus dem Badezimmer auf Jamaika bei Tag (alles so grün wie man es sich vorstellt) startete ich dann in den Orientation Day und wurde von den Mitarbeitern der Organisation in die Stadt (sehr klein, aber ich werde mich trotzdem verlaufen) und einige Grundlagen des Aufenthalts und der Arbeit eingeweiht. Zudem durfte ich meiner zukünftigen Arbeitsstelle einen ersten Besuch abstatten – die Media Group einer der größten Universitäten Jamaikas. Dort wird geschrieben, Radio und Fernsehen produziert. Viel habe ich leider nicht erfahren, da mein Chef nicht auffindbar war.
Danach wurde ich von meiner Koordinatorin zum Mittagsessen in ein chinesischen Restaurant eingeladen (die jamaikanischen Gegenstücke sind anscheinend nämlich nicht so vegetarierfreundlich wie gedacht). Tofu mit Reis und Gemüse war aber ein sehr sättigendes Mahl, so dass wir den Rest, der nicht mehr in uns hineinpasste, mitnahmen und es dem nächsten Bettler gaben. Ja, die Jamaikaner sind, was meinen ersten Eindruck betrifft, richtig mitfühlend und loyal denen gegenüber, die es nicht so gut haben wie sie. Für jeden Bettler hatte meine Koordinatorin ein paar Münzen übrig und selbst meine 10-jährige Gastschwester erzählte mir später von dem Drang, Bettlern immer wenigstens ein bisschen zu geben. Beeindruckend – die Menschen hier scheinen wirklich sozial, sie scheinen nicht die Augen zu verschließen und an die Gesellschaft im Ganzen zu denken.

Im Büro der Organisation nahm ich dann an der Culture and Patois class teil, in der wir uns der lokalen Sprache annähern sollten. Auch wenn das Konzept etwas unüberschaubar war und einige Übungen mir leicht lächerlich vorkamen, war es relativ interessant diese sonderbare Sprache etwas näher kennenzulernen. Eine Mischung aus gekürztem Englisch und afrikanischen Wörtern, die allerdings nur kolloquial benutzt wird. Danach durfte ich das erste Mal in den Genuss einer kalten Dusche kommen und anschließend in aller Frische in die Stammbar der Freiwilligen gehen. Das auf einem Hügel gelegene „großartige Haus“ bot eine schöne Sicht auf das nächtliche Mandeville und die vielen Freiwilligen aller Nationen boten für viel Gesprächsstoff. Nachdem ich schon viel mehr als vermutet an meinem ersten Tag unternommen hatte, viel gesehen hatte und mein Jetlag langsam zu spüren war, konnte ich trotz nachtaktiver Kuh gut und tief schlafen...





Mein erster richtiger Arbeitstag war sehr unspektakulär, da mein Chef beschäftigt war und mich immer noch nicht einweisen konnte, so dass ich mit zwei anderen Freiwilligen einen aufgenommen Text schneiden durfte. Auch wenn ich schon wusste, wie das ging, war das Verfahren auf professioneller Ebene die ersten zehn Minuten recht interessant. Das Problem war nur, dass es sich um eine Art Hörbuch handelte, um eine alte Frau, die mit einschläfernden Stimme aus ihrem Buch vorliest und Verse aus der Bibel zitiert. Das klingt dann so: „Thank you God for my ears, I can hear. Thank you God for my eyes, I can see. Thank you God for my brain, I can think.“ Letzteres musste ich allerdings durch die Sinnlosigkeit dieser 20-minütigen Danksagung bezweifeln, wer hört sich denn so etwas freiwillig an? Und die gute Frau bezahlt die Media Group für das Schneiden, also scheint sie durchaus (möglicherweise berechtigte?) Hoffnung zu haben...

Anschließend wurde der wöchentliche Journalismus-Workshop im Büro abgehalten, der anfangs nichts wirklich neues bereit hielt, sondern nur die einfachsten Grundlagen vermittelte, aber später einige interessante Übungen bereithielt. So durften wir, da das Thema „Nachrichten“ war, Märchen zu News Stories umwandeln – ich musste beispielsweise über die Tragödie von „Hänsel und Gretel“ berichten.

Anschließend wurde ich mehr oder weniger mit den anderen Freiwilligen in die Kunst des Reggae-Tanzes eingeweiht. Die sehr anstrengende Stunde, in der ich meine Unfähigkeit beweisen durfte aber trotzdem Spaß hatte, war ein sehr gute Sportersatz und lockerte auch mein Gemüt etwas auf...

Fortsetzung mit dem Dirty Day im Altersheim, dem ersten Wochenendausflug an meinen ersten jamaikanischen Strand und mit dem weiteren Verlauf der Arbeit.

18.11.13 17:53
 
Letzte Einträge: Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Pädagogik, Rastafaris und Inspiration in Jamaika , Drei Monate Jamaika - Überraschungen, Freuden der Natur, Fassungslosigkeit, Erste Eindrücke aus Ecuador, Menschen in Quito und Verkaufsstrategien


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung