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Essen, Touristen und Rastafaris in Jamaika

 

Jamaikanisches Essen. Da man sich schwer etwas darunter vorstellen kann, erzähl ich mal etwas darüber. Spezialitäten sind auf alle Fälle die Dumplings, was ja auf Deutsch Kloß heißt, aber was auf jamaikanische Art interpretiert wird. So wie ich meine Gastmutter verstanden habe, werden dazu weder Kartoffeln oder Brötchen verwendet, sondern einfach nur Wasser, Mehl und ein spezielles Pulver. Es gibt die Gekochten, welche relativ weich sind, und die Gebratenen, welche ein bisschen nach Stockbrot schmecken und meist zum Frühstück serviert werden. Die Nationalfrucht ist Ackee, die nach Ei ausschaut und auch einen ähnlichen Geschmack hat. Das wird eigentlich fast immer in Kombination mit Saltfish serviert. Süße Kartoffeln sind außerdem üblich, sowie neben Kochbananen richtig lange, bräunliche Früchte, die wie Bananen aussehen, aber nicht so bezeichnet werden dürfen. Letztere kann man nur gebraten essen und schmecken dann ziemlich süß. Ansonsten gibt es noch verschiedene exotische Gemüsearten, aber das auszuführen würde jetzt zu langwierig werden. Generell ist bei fast jedem Gericht eigentlich Reis mit meistens Bohnen dabei. Es ist auf alle Fälle faszinierend, wie viele Spezialitäten so eine kleine Insel über die Jahre hinweg entwickelt hat... Trotzdem speist man aber deutlich westlich orientierter als zum Beispiel in Indien. So gibt es fast immer einmal die Woche Spagetti mit Tomatensoße und zum Frühstück typische American Pancakes. Als „Lunch“ bekomme ich immer ein Erdnussbutter-Sandwich mit. Auch wenn ich als Vegetarierin vor dem fettigen Fleisch verschont bleibe, ist doch fast alles sehr fetthaltig und ich bin froh, dass in meiner Gastfamilie keine Waage griffbereit ist.



Auf der Arbeit schlug ich mich zwei Tage mit einer Präsentation über Deutschland für das Radio herum, was sich als schwierig herausstellte, weil es sozusagen Lust auf Deutschland machen sollte und mir dafür wirklich der nötige Patriotismus fehlt. Die Demotivation war groß, denn ich fühle mich einfach nicht deutsch, sondern international. Eine viel größere emotionale Verbindung habe ich zu Belgien, Indien oder den Niederlanden.. Irgendwie versuchte ich dann internationale Aspekte hinein zu bringen und mich wie in der Arbeit, die ich in Indien geschrieben habe, mit Vorurteilen zu beschäftigen und diese dann auszuwerten. Also fragte ich einige Kollegen nach ihrem ersten Gedanken zu Deutschland. Das war recht interessant, da zum einen viele wirklich überhaupt keine Ahnung hatten, was verwunderlich ist, gab es doch so viele deutsche Praktikanten in der Vergangenheit, und da zum anderen viele sich nicht trauten, Assoziationen bezüglich der NS-Zeit zu nennen. Das habe ich aber irgendwie aus ihnen herausbekommen, gleich verwendet und in meiner Präsentation gesagt, dass es gut und normal ist, dass man sofort daran denken muss, weil es nicht vergessen werden darf, so dass es nicht wieder geschieht. Alle waren erst einmal etwas geschockt, als ich den Holocaust gleich im ersten Satz nannte, aber waren dann letztendlich auch der Meinung, dass so etwas angesprochen werden muss. Ich frage mich, ist Geschichte, also negative Geschichte, generell ein Tabu in Jamaika? Noch nie habe ich bemerkt, dass sich jemand mit dem Fakt beschäftigt, dass viele von ehemaligen Sklaven abstammen und sozusagen eine zweite, unbekannte Heimat in Afrika haben. Natürlich kann ich das nicht wirklich nachvollziehen, aber hätte ich so eine Familiengeschichte, würde es mich brennend interessieren und ich würde versuchen, so viel wie möglich darüber hinauszufinden. Man darf die Geschichte nie vergessen, aber vielleicht wären die Jamaikaner ihrer Meinung nach nur wieder bei eigenem Herunterstufen angekommen, wenn sie sich mit ihren Sklavenvorfahren beschäftigen würden. Das Traurige ist, dass ich bis jetzt auch noch keine Bücher über jenes Thema gefunden habe, ich würde so gerne mich damit vertiefter auseinandersetzen...



Am Wochenende ging der nächste Ausflug nach Negril, ein weitverbreitetes Ziel unter den „0815-Jamaikatouristen“. Der Weg in unserem Privatbus (bei 25 Leuten kann man sich so etwas leisten) stellte sich zwar als unbequem wegen der Verhältnisse auf den Straßen aber auch als sehr schön aufgrund der Landschaft – entweder direkt neben dem tiefblauen Meer oder neben an Afrika erinnernde Kulissen – heraus. Schon im Voraus bei der Hotelauswahl machte sich die Beliebtheit bei betuchten Touristen bemerkbar: Es war fast unmöglich, ein für uns junge Menschen bezahlbares Hotel zu finden. Da die Stammunterkunft der Freiwilligen diesmal voll war, mussten wir uns nach Alternativen umschauen und landeten dann in einer etwas teureren, die zwar einen Swimmingpool, aber auch eine große Distanz zu den Stränden hatte.

Als wir Freitag ankamen und alle den ersten Hunger verspürten, wurden wir auf ein Restaurant in der Nähe aufmerksam, das mit einem Schild ein Reggae-Konzert an jenem Abend ankündigte. Da Essen und Live-Musik vor allem in Jamaika (aber eigentlich auch sonst überall) eine wunderbare Kombination sind, entschieden wir uns dafür, dort zu bleiben. Nachdem die zugegebenermaßen echt leckeren Pizzen nach 1 ½ Stunden kamen, waren die Musiker aber immer noch nicht sichtbar. Auf Nachfrage wurde unsere Vermutung beschäftigt: „Doch nicht!“. Manchmal scheint es mir, als würde es Menschen geben, denen es Spaß macht, Leute anzulocken, Geld zu verdienen und sie dann alle zu enttäuschen. Vermutlich war es einfach eine gute Strategie, um Touristen zum Bleiben zu bewegen, aber das lockere Gerede mancher Jamaikaner produziert oft falsche Hoffnungen. Versprechungen werden mal nebenbei gemacht und am Ende sind die enttäuscht, die für die Versprechungen gezahlt haben, und die triumphierend, die an den Versprechungen verdient haben. So war es auch das letzte Wochenende, als wir von einigen Bewohnern ein großes Feuer mit blauer Flamme versprochen bekamen – natürlich gegen etwas Geld. Und obwohl man sich der Gefahr bewusst ist, obwohl man irgendwo in sich ein gewisses Misstrauen gegen Angebote solcher Art entwickelt hat, fällt man einfach viel zu oft auf den jamaikanischen Charme herein...
Trotzdem ließen wir uns den Abend nicht verderben und amüsierten uns gut.

Samstag durften wir dann Bekanntschaft mit dem sieben Meilen langen Strand Negrils machen. Dieser ist in verschiedene Bereiche eingeteilt, jeder Bereich hat ein/e Restaurant/Bar/Café sowie selbstverständlich einen Souvenirladen. Schon da wird klar, dass hier alles auf kaufwillige Touristen abgestimmt ist.
Das Lokal unseres Strandes hatte ein Spiel der ganz besonderen Art auf Lager: Unter dem Aufruf „Free Drinks“ wurde jeder, der wollte, mit Shots aus zwei Flaschen jamaikanischem Alkohol versorgt, um danach aufgefordert zu werden, sich doch gut um den Barkeeper zu kümmern, es wurde etwas Mitleid geschürt und auf die Trinkgeldkiste verwiesen. Unter Freigetränken verstehe ich etwas anderes..

Auch bei einem Strandspaziergang wird klar, hier kommen die typischen Jamaika-Touristen her. So wie ich damals in Indien die verschiedenen Touristenarten abgegrenzt habe, werde ich das hier auch machen.
Eigentlich ist es sehr einfach: Zum einen gibt es die Flitterwochen-Paare, die nach der Hochzeit noch Geld für einen entspannenden Urlaub im Karabikparadies übrig hatten, und zum anderen noch die etwas älteren Paare (50-70 Jahre), die lange genug gearbeitet haben (oder von Natur aus reich sind), um sich einen entspannten Urlaub zu leisten. Beide Kategorien suchen eher nach Entspannung, bevorzugen gemütliche Strände und interessieren sich zwar vielleicht für die Kultur, aber streben nicht energisch danach, sie kennenzulernen. Individualtouristen gibt es jedenfalls kaum, was auch ein Grund ist, warum es keine Hostels oder Jugendherbergen, die für solche bezahlbar sind, gibt. Also riesige Unterschiede zu Indiens Touristen!

Anschließend gingen wir in Rick's Café, eines der berühmtesten Cafés der Welt, das wirklich sehr schön gelegen ist und zu lebensgefährlichen Sprüngen von 11 Meter hohen einlädt. Auch wenn der Sonnenuntergang wegen zu vieler Wolken nicht so schön war wie erhofft, sahen wir dafür relativ nah einige Delfine im Meer...

Das absolute Highlight war für mich aber das ungeplante Abendessen am Samstag – als wir eigentlich nur zum Supermarkt laufen wollten, erzählte mir ein Freund von einem vegetarischen Restaurant, das er vorher an der Straße gesehen hatte. Spontan gingen wir hin und ich erkannte schnell, dass Restaurant nicht der treffende Begriff war: Ein kleiner Stand mit vier Sitzen davor war alles. Doch das war genug, mehr als genug. Rastar, der Besitzer, kochte in den fünf Töpfen vor unseren Augen und erzählte uns über das Essen der Rastafaris, was ja komplett vegan ist. Was dann kam, wurde mein bestes jamaikanisches Essen bisher, was viel heißt, da das in meiner Gastfamilie schon echt gut ist... Eine Kürbis-Bohnensuppe als Vorspeise und eine große Portion an Reis, Ackee, Veggie-Chows (bei der Schreibweise bin ich mir unsicher), etwas Spinatartiges, Kürbis und Kartoffeln mit viel Curry. Es war nicht nur wieder endlich scharf, sondern unheimlich lecker. Rastar, der Rastafari, wusste genau Bescheid, was im Essen drin war, verriet uns seine Tipps und woher das Essen herkam – alles selber angebaut, also komplett biologisch. Er war sympathisch, ohne dass er uns mehr und mehr verkaufen wollte – im Gegenteil: Er gab uns sogar Rabatt aufgrund der Tatsache, dass wir Freiwillige sind, nach seinen Worten aus Respekt vor dem, was wir für sein Land tun. Das ganze Erlebnis war von purer Authentizität geprägt und hinterließ auch bei meinen beiden Freunden, die normalerweise nicht allzu oft vegetarisch speisen, einen bleibenden Eindruck, so dass wir am nächsten Tag mit Verstärkung wiederkamen und ein weiteres fantastisches Mahl zum Mittagessen genossen.

Unser privater Busfahrer kam zehn jamaikanische Minute und 1 ½ europäische Stunden zu spät, was nicht für große Überraschung aber für umso größere Müdigkeit sorgte. Es ist aber bemerkenswert, wie schnell man sich die jamaikanische „Zeitrechnung“ angewöhnt: Unter uns Freiwilligen werden auch immer häufiger jamaikanische Zeitangaben gemacht, damit kann man einfach nie falsch liegen.



Im nächsten Eintrag: Ein Stück Indien in Jamaika und mein Treffen mit einem wichtigen Politiker der Jamaica Labour Party.



27.11.13 14:42
 
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