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Magie in Jamaika

 

Bei der Rückfahrt von Treasure Beach am Sonntagabend wurden wir von unserem privaten Taxifahrer in eine andere Welt gefahren – er wählte einen besonderen (und besonders gefährlichen) Weg, der im Prinzip um den Berg immer höher ging. Nachdem wir am Anfang wenig begeistert von der verdammt engen und kurvigen Straße waren, wurden wir später durch einen magischen Ausblick besänftigt. Pünktlich zum Sonnenuntergang konnten wir von dem Berg hinab auf das Tal, das Meer und die untergehende Sonne herunterblicken. Das Faszinierende war, dass es so aussah, als wäre das Leben dort unten stehen geblieben: Das Meer bewegte sich nicht, es ähnelte eher einer ausgebreiteten Folie. Es war, als ob wir zu einem Punkt gelangt wären, an dem wir alles überblicken konnten, an dem wir abseits von allem Treiben waren, an dem wir nur wir waren und uns nichts stören konnte. Es war, als ob wir in einer anderen Welt angelangt wären und auf die Welt, in der wir normalerweise verweilen, nun herunterblicken konnten. Mir ist bewusst, wie merkwürdig und irreal das jetzt klingt. Es ist ein irreales Gefühl und man muss es gelebt haben, um es zu verstehen.



Da vor allem die Deutschen unter uns die Weihnachtsatmosphäre vermissten, wollten wir am Dienstag Plätzchen backen und gingen in den größten Supermarkt der Stadt, um alle Zutaten zu bekommen. Letztendlich mussten wir uns mit einer (sehr leckeren) Fertigpackung Brownies begnügen, denn es gab keinen Zucker! Das muss man sich mal vorstellen! Keinen Zucker im größten Supermarkt der Stadt! Nach einigen Überlegungen wurde mir auch klar, wo der ganze Zucker steckt: In den Konditoreien... Sowohl Montag als auch Dienstag durfte ich ein Stück Torte probieren und es schmeckt einfach nur nach purem Zucker und Farbstoffen. Es ist mir klar, dass Torten immer süß sind, aber normalerweise schmecken sie dann nach Schokolade, Sahne, Früchten, was weiß ich, sie schmecken jedenfalls auch nach etwas anderem als Zucker! So viel zu dieser Fehlplatzierung von Zucker in Jamaika...



Den Rest der Woche konnte ich nicht wirklich neue Entdeckungen machen: Am Mittwoch schleppte ich mich endlich zum Arzt und es wurde Bronchitis diagnostiziert, was für mich erzwungene (und nicht wirklich eingehaltene) Bettruhe und Antibiotika bedeutete.



Da ich deshalb nicht meine persönlichen Erfahrungen im Hinblick auf Jamaikas Gesellschaft analysieren kann, nehme ich mal ein Thema her, das mein Interesse beim Zeitungslesen erweckt hat.

80 000 westliche Sextouristinnen statten Jamaika jedes Jahr einen Besuch ab. So überraschend es für mich im ersten Moment auch war, desto klarer wurde es mir nach einigen Überlegungen: Was wollen ungeliebte, unglückliche Frauen mehr als im Karibikparadies endlich Zuwendung zu erfahren? Irgendwie liegt es nahe, aber doch erschreckend. Mich würde, obwohl es mich gleichzeitig anekelt, brennend interessieren, wie so etwas genau abläuft. Ob so etwas manchmal Zukunft hat oder sich alles nur um kurzzeitiges Vergnügen dreht. Jedenfalls sind diese 80 000 westliche Sextouristinnen sicherlich mit ein Grund, dass sich jamaikanische Männer unentwegt falsche Hoffnungen machen...



Pünktlich zum Wochenende durfte ich wieder offiziell am sozialen Leben teilnehmen und diesmal waren wir „en route“ nach Ochos Rios bzw. Falmouth.

Auf dem Weg zeigte uns unser privater Taxifahrer den Ort, an dem Kolumbus zum ersten Mal jamaikanisches Land betrat – Discovery Bay. Er hatte sichtlich Spaß, uns mit diesem besonderen Platz bekannt zu machen, aber stelle sofort klar, dass er Kolumbus nicht leiden mochte, da dieser die Bevölkerung ausgeraubt hatte. Das war das erste Mal, dass ich jemanden deutlich und vor allem mit Emotionen über die Kolonialvergangenheit reden gehört habe. Manche Jamaikaner scheinen also doch die Geschichte, die grausame Geschichte, noch parat in ihren Köpfen haben und bereit sein, sich im Sinne ihrer Vorfahren darüber aufzuregen.

Das billigste Hotel im Touristenort Ochos Rios war immer noch recht teuer, aber dafür purer Luxus: Warmes Wasser, gemütliche Betten, geräumiger Balkon mit Meeresblick, eigener Strand mit Korallenriff (jeder einzelne Fisch sichtbar) und Pool.

Der stark vertretene Tourismus war spürbar, als große Schiffe mit großen Schwärmen von Touristen vor unserem Hotel wegen des Korallenriffs anhielten, Musik spielten oder Lautsprecherdurchsagen machten und die Menschen für 10 Minuten im Meer baden ließen. Das ist lauter Sensationstourismus, wie man ihn sich vorstellt...

Tourismus spürbar, als Gruppenschiffe vor unserem Hotel wegen des Korallenriffs anhielten. Lauter Sensationstourismus...

Nachmittags machten wir dann einen Abstecher nach Falmouth, ein süßer kleiner Ort, eine ehemalige Kolonialstadt. Dort durften wir den ganz besonderer Flair, den man sonst wohl nirgendwo in Jamaika vorfinden würde, einatmen. Alte Gebäude und detailreiche Dekoration ließen es einerseits wie ein Schauplatz von Fluch der Karibik oder eines Südstaaten der USA Anfang des 20. Jahrhunderts erscheinen, andrerseits wirkte es durch den extrem englischen Einfluss sehr europäisch, auch der starke Wind erinnerte irgendwie an die Nordsee. So fanden wir jedenfalls ein Stück Europa in Jamaika und die Tatsache, dass ich mich dort sofort heimisch, wohl und wie angekommen fühlte, zeigt mir wieder einmal, dass als dauerhafter Wohnsitz für mich nur Europa infrage kommt. Ich kann es mir vorstellen und habe es durchaus vor, für einige Jahre (oder gar Jahrzehnte – wer weiß, was das Leben bringt) beispielsweise in Afrika zu leben, aber trotzdem vermute ich, dass ich immer den Fokus meines Lebens, meines gesamten Lebens, in Europa sehen werde.

Für ein magisches Erlebnis sorgte der Abstecher zum Glistening Water bzw. erst einmal zu einem Restaurant, das als Bootsanlagestelle diente. Eines dieser Boote brachte uns dann zu dem glitzerndem Wasser, eines der größten Wunder der Natur. Ein Mikroorganismus (der größte der Welt ist in Falmouth) sorgt dafür, dass das Wasser bei jeder Bewegung erleuchtet. Nach der kurzen Bootsfahrt, während der wir schon über die leuchteten Stellen im Wasser (Fische!) staunen durften, wurde uns auch erlaubt, dieses Naturwunder hautnah mitzuerleben. Sobald wir im Meer waren und uns bewegten, fühlten wir uns ein wenig wie in Avatar und konnten das Phänomen gar nicht richtig begreifen. Am meisten genoss ich gen Horizont zu schwimmen, das bist dann einfach nur du, deine leuchtenden Arme und die Welt. Auf alle Fälle ein magischer Moment, der Gänsehaut erzeugte. Nur der Kapitän, der sein Boot mit den üblichen Jamaika-Touristen geladen hatte, benahm sich wie ein Mix aus Lehrer und Entertainer. Nachdem wir wieder auf dem Festland angekommen waren, war es, als ob wir gerade aus einer anderen Welt kamen. Das ganze Erlebnis fühlte sich irreal an, weshalb man es auch nicht nachvollziehen kann, wenn man es nicht erlebt hat. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich!


Unser Sonntag wurde durch den Regen erzwungen ein typischer Sonntag, an dem man im Bett liegt, redet/Musik hört/fernsieht und isst. Das einzige, was bei uns abwich, war der Blick auf das Meer und ein kleiner Abstecher in den Swimmingpool. Also man kann es nicht oft genug betonen: Gegen allgemeiner, westlicher Meinung regnet es oft und stark in Jamaika!

10.12.13 16:13
 
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