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Jamaican Christmas

 

Endlich wagten wir, mein australischer Kollege und ich, letzte Woche eine richtige, offizielle Beschwerde über unser Journalismusprojekt, da wir nur im Radio und nicht wie versprochen in allen drei Bereichen (Print, TV und Radio) arbeiteten, und am Montag bekamen wir die ersten Früchte zu sehen: Die Organisation hat bei einer lokalen Zeitung und einem Fernsehsender angefragt, ob sie uns aufnehmen würden, und der Fernsehsender hat auch schon seine Zusage gegeben. Das gibt Hoffnung und mir die nötige Motivation, noch weiter mit Energie beim Radio bis zur „Umsiedlung“ zu arbeiten.

Der Dienstag – Weihnachten – war bisher das speziellste Weihnachten für mich, aber nicht unbedingt das Beste.

Alles begann damit, dass ich um 4 Uhr früh für einen Outside Broadcast in Kingston aufstehen musste. Normalerweise hätte ich da dankend abgelehnt, aber der Plan klang so gut, dass ich nicht widerstehen konnte: Wir würden in einen Vergnügungspark mit Kindern aus den Waisenhäusern, die wir in der vorigen Woche besucht hatten, gehen.
Manchmal muss es einem einfach nachdrücklich mit Gewalt klargemacht werden, dass man in Jamaika und nicht in einem schnellen westlichen Land ist: Wir fuhren 1 ½ Stunden später als geplant los, was echt ärgerlich ist, wenn man so früh aufsteht. Und als wir dann im Vergnügungspark ankamen, mussten wir erst einmal zwei Stunden auf die Kinder warten...
Ich finde es ja lobenswert, den Kindern Essen zu servieren, denn ein gemeinsames Mahl verbindet bekannterweise, aber dann sollte das auch ein Essen sein, das gesund und nahrhaft ist. Was gibt es in Jamaika? Chips, Kekse, fried chicken von KFC, ungetoastetes Weißbrot mit grün (!) gefärbtem Käse, Kuchen aus purem Zucker und ebenso süßes Eis. Wie sollen denn die Kinder etwas über gesunde Ernährung lernen, wenn ihnen so etwas von den „großen“, „weisen“ Erwachsenen vorgesetzt wird?
Wir durften noch Zeuge anderer eigenartiger Pädagogik werten: Es wurden wieder komische Geschichten vorgetragen, in denen oft die Eltern und die Liebe der Eltern eine tragende Rolle spielten. Das wird Waisen von Erwachsene mit Eltern erzählt? Welchen Sinn hat das? Realisieren die Geschichtenerzähler nicht, dass das relativ unsensibel ist? Natürlich kann man Waisen die Existenz von Eltern nicht verschweigen und es nicht vermeiden, sie wegen der Abwesenheit ihrer traurig zu machen, aber man kann es vermeiden, Geschichten, die das in Erinnerung rufen, an einem „Fun Day“ zu erzählen! Im Folge einer solchen Geschichte wurde ein Preis verliehen – eine Kette mit dem Zeichen einer Alkoholmarke und der Aufschrift Drink Responsibly. Für einen 10-jährigen. Glücklicherweise las er Drive Responsibly, aber trotzdem, wie kommt man denn auf so etwas? Das sendet doch auch wieder völlig falsche Signale? Da wurde lieber etwas Geld für eine schöne und angemessene Kette gespart und stattdessen ein Werbegeschenk weiterverwendet.. Moralisch etwas verwerflich.
Das klingt jetzt alles sehr negativ angehaucht, was vielleicht ein falsches Bild kreiert: Ich hatte Spaß, die Kinder hatten Spaß, es gab viele schöne Moment.
Die Aktion ist auch eigentlich eine gute, eine sehr gute Idee, es könnte nur etwas besser umgesetzt werden.
Als ich für das Radio interviewt wurde, repräsentierte das ein kleines Weihnachtsgeschenk für mich. Das erste Mal live im Radio zu sein, ist schon etwas besonderes!

Trotz dieser schönen Momente, kam einfach überhaupt keine Weihnachtsstimmung auf. Möglicherweise lag es auch an dem Essen: Cornflakes zum Frühstück, Erdnussbutter mit Ameisen auf dem Brot und das einfachste Abendessen, das ich bekommen hätte können (Reis, Bohnen und ein paar Tomaten)... Da es vermutlich sogar der schwächste Tag, was das Essen anging, war, fällt es einem natürlich noch schwerer, den besonderen Tag wahrzunehmen.

Abends ging es dann zu einer Art Vorfeier bei australischen Freundinnen, die ein eigenes Apartment bewohnen, die letztes Jahr als Freiwillige hier waren und nun wieder für 2 Monate zurück sind. Als wir dann auf dem Weg nach Mandeville zu zwölft in einem Taxi für sieben Menschen saßen, Weihnachtslieder hörten und sangen, kam das erste Mal etwas Atmosphäre auf.
Unglücklicherweise war diese aber sofort vorbei, als wir auf dem Grand Market waren – der berühmte, viel angepriesene Platz, der ganz Mandeville umfasste. Angeblich sollten wir dort hunderte Leute tanzend und singend auf den Straßen sehen, laute Musik hören und die für Autos gesperrten Straßen genießen. In der Wirklichkeit sah es anders aus: Es gab extrem viele Verkaufsstände, Knallfrösche und Autos. Laute Musik gab es nicht auf den Straßen, dafür aber in den Bars, was wiederum dafür sorgte, dass man sich nur schlecht unterhalten konnte. Wir fanden dann den ein oder anderen Platz und hatten eine relativ schöne Zeit. Aber das war definitiv nicht wegen der allgemeinen Stimmung auf den Straßen (viel Polizei, viele betrunkene Männer, viele Knallfrösche, viele verkaufswillige Menschen, die aufdringlich die „Whities“ dazu bringen wollten, etwas zu kaufen), das war wegen „unseren“ Menschen, d.h. alles positive hatte nichts mit dem jamaikanischen Weihnachten zu tun, das hätten wir auch überall anders hinbekommt. Etwas sehr negatives hatte jedoch sehr wohl etwas mit dem jamaikanischen Weihnachten zu tun: Als wir gegen halb 3 Uhr früh ein Taxi nehmen wollten, um wieder zu den Australierinnen fahren wollten, öffnete plötzlich ein Mann meine Tasche (was nicht so einfach wegen des speziellen Verschlusses ist) , ich bemerkte es sofort, griff sein Arm und schrie ihn an. Während er mit einem „Fuck you“ erwiderte, kontrollierte ich, ob alles da war, was überraschenderweise der Fall war. Bis eine Freundin, die neben mir stand und eigentlich gerade in eine Unterhaltung verwickelt war, bemerkte, dass ihr Smartphone aus der Hosentasche herausgenommen wurde. Wir erwischten den Mann noch einmal und konfrontierten ihn mit dem Verdacht, woraufhin er seine vorderen Taschen leerten und dann abhaute. Alle wichtigen Daten dieser Freundin und Fotos von vier Monaten waren auf diesem Smartphone und das Dramatische war, dass sie nirgendwo anders waren. Logischerweise war die Verzweiflung bei ihr groß und auch ich fühlte total mit. Eine riesengroße Wut auf solche widerwärtige Menschen entwickelte sich in mir, was uns Schwierigkeiten bereitete, den Rest des Abends positiv auszukosten. Stattdessen riefen wir sämtliche Kreditinstitute und Handyanbieter an, um alles, worauf der Dieb nun Zugriff haben konnte, zu sperren.

Nach dieser Enttäuschung hoffte ich dann auf den 25., den eigentlichen Weihnachtstag für die Jamaikaner. Früh bekam ich zwar zwei Pfannkuchen statt einem, aber ansonsten war nichts außergewöhnlich. Niemand aß zusammen, jeder einzeln. Niemand tauschte Geschenke aus, außer ich. Ich hatte mir einen solchen Druck deshalb gemacht und Geld, mit dem ich hier sogar noch penibler als in Deutschland umgehe, ausgegeben, weil meine Gastschwestern die ganze Zeit danach fragten. Es wäre ja ganz schön gewesen, wenn die Überraschung und Freude groß gewesen wäre, aber irgendwie war es zwar erstaunlich für sie aber doch auch ganz selbstverständlich, dass der Freiwillige was schenkt. Nur Geben meinerseits, immer nur Geben... Auch tagsüber wurde keine gemeinsame Zeit in der Familie verbracht, so dass ich etwas mit meiner Nachbarin spazieren ging. Abends stand dann die „Familientradition“ auf dem Programm: Ein Fabrikfest, zu dem sie nun schon seit elf Jahren gehen. Als ich dort ankam, fragte ich mich warum. Es war laut, laut für jamaikanische Verhältnisse, das heißt man konnte nicht miteinander kommunizieren. Meine Gastfamilie ist anscheinend mit dem Besitzer der Fabrik verwandt, so dass sie einen Getränkestand (einen von vielen – kommerzielles Treiben war natürlich wieder überall) hatten, was dafür sorgte, dass sie wieder nicht wirklcih miteinander agierten und was auch dafür sorgte, dass die Kinder fleißig betrunkenen, alten Männer noch mehr Rum ausschenkten... Es war generell nicht der richtige Ort für Familien, für Kinder. Besonders aussagekräftig war für mich das Bild eines Mannes mit Joint in der Hand und Kind im Arm. Auf der Bühne gab es einen Tanzwettbewerb, für den sich Kinder freiwillig melden konnten. Das Resultat davon waren unverschämt kurze Röcke oder Shorts tragende unter 10 jährige Mädchen, die ihr Hinterteil offensiv in Richtung Publikum streckten und es zu Dancehall-Takten dementsprechend bewegten. Wäre das nicht schon unangebracht genug, wurden auch noch einige von den Zuschauern ausgebuht. Das muss man sich einmal vorstellen – kleine Mädchen oder Jungen nehmen an Weihnachten all ihren Mut zusammen, tanzen ganz alleine vor hunderten von Menschen und müssen dann eine so deutliche, eine so extreme und verletzende Ablehnung erfahren? Was denken sich die Menschen, die da buhen oder lauthals „No“ schreien? Die, die nicht ausgebuht worden und gewannen, bekamen dann eine Flasche Duschgel von einer bestimmten Ladenkette, die so natürlich für sich werben wollte. Der Tanzwettbewerb allein widerte mich schon an, aber das Verhalten des Publikums sogar noch mehr.

Alles in einem: Weihnachten in Deutschland, selbst wenn man es nicht wirklich christlich feiert, sondern nur die Traditionen beibehält (also Weihnachtsmarkt, typisches Essen und Trinken, Weihnachtsbaum, Dekoration), ist tausendmal schöner. Es wird zwar kommerzialisiert, aber es herrscht auch deutlich mehr Atmosphäre und das ruhige Zusammenkommen mit den wichtigsten Menschen wird geschätzt. In Jamaika hatte ich mehr das Gefühl, dass alles kommerzialisiert und dann schön getrunken/gefeiert wird. Sehr widersprüchlich, wenn man an den starken Glauben und den christlichen Hintergrund von Weihnachten denkt...



6.1.14 14:32
 
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