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Drei Monate Jamaika - Überraschungen, Freuden der Natur, Fassungslosigkeit

 

In diesem endgültig letzten Eintrag über Jamaika werde ich all die Erlebnisse und Eindrücke festhalten, die mich am meisten überraschten, faszinierten oder entsetzten.

Das, was mich am meisten in Jamaika fasziniert hat war zum einen die Natur und all ihre Geschenke sowie die Rastafari Kultur, was im letzten Beitrag vermutlich schon angeklungen ist, und die Atmosphäre, die diese Insel für uns Freiwillige bereithielt.

Die Reach Falls, einzigartige Wasserfälle, die wir nicht auf normalem touristischem Wege besuchten, sondern auf besondere Art entdecken durften. Mit einem Rastafari liefen wir erst einmal zehn Minuten durch einen Palmenwald, um schließlich die einzelnen Wasserfälle von unten hochzuklettern. Man konnte es wirklich klettern nennen, manchmal wurde die ein oder andere Räuberleiter benötigt und alles lief nach den Regeln der Natur, d.h. Man stolperte kontinuierlich über versteckte Steine im Wasser, zog sich kleine Verletzungen zu, aber all das spielte keine Rolle. Oder doch, aber eine positive. Die Natur war die Macht, das einzige, was uns kontrollieren konnte. Das einzige, von dem wir uns kontrollieren lassen konnten. Nur unsere fest zusammengewachsene Gruppe mit der Natur. An diesem besonderen Ort war man wirklich eins mit ihr, es erschien wie auf einem anderen Planeten. Wie auf einem Planeten fern von Hass, Kapitalismus, Materialismus, Gewalt, Kriegen. Es war erfrischend und inspirierend, diese reine Luft einzuatmen und jeder von uns konnte die besondere Atmosphäre auffassen. Beim Abstieg hatte ich auch noch ein Erlebnis, das mich an meine Grenzen bzw. Darüber brachte. An einer bestimmten Stelle war der einzige Weg nach unten ein Sprung ins Wasser. Ich habe eine riesige Phobie davor ins Wasser zu springen, habe mich bis jetzt in meinem Leben erst einmal auf ein Dreimeter-Brett gewagt. Ich stand dort oben für mindesten 15 Minuten, während mir alle gut zuredeten, mir anboten, mit mir zu springen. Aber ich wusste, dass ich es wenn dann alleine schaffen musste. Irgendwann nahm ich die Kraft, die mir diese Wasserfälle gaben, in mich auf und letztendlich habe ich mich überwunden. Da ich mich oben wirklich fertig gemacht habe, mich in die Angst herein gesteigert habe, war das Gefühl beim Auftauchen umso intensiver – vor Erleichterung, vor Überwältigung kamen mir die Tränen.
Nach diesem Besuch war unsere Gruppe noch enger zusammen gewachsen, wir alle hatten die Magie mit der Natur geteilt.

Ein weiterer Favorit war Black River, der an sich schon eine wunderbare Natur bereithielt, aber eben auch ein Geschenk der Natur – Krokodile. So nah in ihrer natürlichen Lebensumgebung hatte ich Krokodile noch nie gesehen. Ich war ihnen noch nie so nah, dass ich ihre Zähne, ihre Füße und ihre Augen inspizieren konnte. Unser Kapitän ging sogar noch weiter und liebkoste sie durch zärtliches Streicheln aus dem Boot heraus.

Das wilde Meer in Treasure Beach beeindruckte mich ebenso sehr. Es riss einen gerne mal unter Wasser, ließ einen die Kontrolle verlieren und reflektierte die extreme Naturgewalt, die trotz ständigen (oder manchmal wegen) menschlichen Einwirkens noch herrscht.

Die Blue Mountains dagegen waren alles andere als wild, eine friedvolle Stimmung macht sich dafür in dich breit, wenn du in die scheinbar endlosen Bergen blickst. Ich werde auch nie das Gefühl vergessen, als wir ganz oben auf dem höchsten Berg Jamaikas standen und uns in den Wolken bewegten. Wolken scheinen immer unendlich weit weg und dann auf einmal ist man mitten drin. Es ist nicht mit dem Gefühl im Flugzeug zu vergleichen, zwischen dem Körper und der Natur steht ein komerzielles Gut, man ist nicht komplett verbunden. Aber wenn du die Wolken fühlst, am ganzen Körper, dann hat man sozusagen die Unendlichkeit erreicht. Oder erkannt, dass die Unendlichkeit noch viel weniger greifbar ist, als man denkt, dass es nach den Wolken noch weitergeht. Vielleicht verspürt man in den Bergen deshalb so einen inneren Frieden, weil man sich in der Unendlichkeit gefangen fühlt. Weil man weit weg vom "Boden der Wirklichkeit", vom "Abgrund der Sorgen" ist...

Natürlich die Rastafaris mit ihrem Drang nach Freiheit, mit ihrem Leben fernab der heutigen "Realität" und fernab der Ausblendung der Natur, mit ihrer inneren Gelassenheit und ihrem weit auschweifenden Blick auf die Welt.

Was mich überraschte war das große Selbstvertrauen der jamaikanischen Männer gegenüber westlichen Frauen. Die zahlreichen Heiratsanträge, die vielen unmoralischen Anfragen und das bloße Kommunizieren, das auf mehr hinaus wollte, schien ganz natürlich aus ihnen heraus zu kommen. Ohne jegliche Zweifel über sich selbst stellten sie sich der sehr wahrscheinlichen Gefahr einer Abfuhr und wenn letztere dann kam, musste das immer noch nicht heißen, dass sie dann aufgaben. Ich weiß nicht, was man machen hätte müssen, um ihre Selbstbewusstsein zu schwächen. Sie gaben sich als unbesiegbar und für sie schienen Misserfolge und ein großes Ego nicht im Widerspruch zu stehen. Wenn es oft nicht so eklig, so anwidernd, so nervig gewesen wäre, wäre ich möglicherweise sogar bereit, Bewunderung für dieses unermüdliche Selbstbewusstsein gelten zu lassen.

Über letzteres kann man mit viel Geduld, Gelassenheit und Humor noch lachen, aber folgende Eigenheit ist einfach ein sehr trauriger, erschreckender und scheinbar unveränderlicher Fakt. Die fast überall verteilte, starre Homophobie, über die man auch nicht diskutieren konnte. Jamaika gilt als eins der homophobsten Länder der Welt und das ist auch ohne Zweifel so. Wenn man dort für eine Zeit lang lebt, erlebt man das auch hautnah. Was Gott sagt, ist heilig. Und wenn die Jamaikaner Gott zuhören, sagt er, dass es unnormal ist, wenn sich zwei Männer oder zwei Frauen lieben. Unnatürlich – das Wort wird auch oft gebraucht. Ich hatte diverse Diskussionen mit den scheinbar aufgeklärten Kollegen beim Radio, aber sie lassen einfach kein Argument gelten. Unnatürlich und unnormal, fertig, punkt, keine Widerrede. Das ist traurig und leider glaube ich auch nicht, dass es sich in der Zukunft verändern wird.

Das leitet gut zur starken Religiosität über und der damit verbundenen Blindheit. Leute, die die Evolution verneinen, abstoßen und die, die daran glauben (obwohl es hier nun wirklich nicht um Glaube, sondern um Vernunft, Verstand und Beweise geht), als lächerlich abstempeln, wollen einfach nicht in mein Weltbild passen. Eine Freundin, die durchaus religiös ist und ein Medizinpraktikum macht, pflegte immer zu sagen, dass die Jamaikaner zu viel glauben. Ein zu großen Vertrauen in Gott haben und dann dementsprechend spät sich in ärztliche Behandlung geben lassen. Das Gefühl hatte ich auch immer, die Menschen machen sich von Gott zu sehr abhängig. Sie schöpfen ihre Kraft aus dem Glauben, das ist ja ihr gutes Recht. Aber sie untergraben somit viel zu oft ihre eigene Persönlichkeit, ihren eigenen Willen und die Menschlichkeit. Die scheinbar unendlichen Morgengottesdienste werden mir nie aus dem Kopf gehen, dieser extreme Glaube, der überall präsent war.

Ein anderes Makel, das einem schnell auf die Nerven gehen konne, war die Rechthaberei, die relativ oft zu Tage kam. Sei es die Evolution, gegen (!) die es ja so viele Beweise gibt, oder sei es Deutschland, in dem man Französisch spricht. Egal mit welchen Argumenten, man konnte sie eigentlich nie von ihrem Standpunkt abbringen. Und das ist traurig, weil Diskussionen erfrischend und Horizont öffnend können, weil manche Fakten einfach feststehen...

So sehr mich die Offenheit gegenüber Frauen oft nervte, so sehr mochte ich die Offenheit in Gesprächen. Die Bereitheit, unverblümt über das eigene Leben zu sprechen. Viele abenteuerliche, wahrscheinlich ausgeschmückte, aber ehrliche Lebensgeschichten habe ich zu Ohren bekommen, dabei habe ich viel über die Haltung der Menschen gegenüber des Lebens, über ihre Ziele, ihre Ambitionen und ihre Mentalität gelernt. Es gibt nichts besseres als ehrliche Gespräche über das Leben oder über die Welt, um ein Land und seine Menschen besser kennenzulernen. Und das hat Jamaika mir zum Glück gelegentlich geboten. Manchmal in den ungewöhnlichsten Momenten, so kam es zu einer einstündigen Diskussion mit einem Arzt, als ich meine deutsche Gastschwester zu ihrem Termin begleitete. Über Glauben, wie sollte es anders sein, aber sehr persönlich, verbunden mit dem eigenen Leben, verbunden mit der Kraft und der Motivation, die einen jeden Tag aufstehen lässt. Das hat mir gefallen, diese ungewöhnliche Begebenheit. Sowas zeigt einem, dass man nicht in Deutschland ist.
Ein anderes Mal hatte ich ein ermutnerndes, erfrischendes, spontanes Gespräch mit vier Männern, die alle schon in den USA oder in Kanada gelebt hatten. Wir sprachen über Rassismus in Jamaika, über Philosophie und über Literatur, einfach so, weil es der Moment dafür war. Diese Konversation ließ mich den ganzen Tag lächeln.

So oft ich auch von den Menschen und der Mentalität in Jamaika enttäuscht worden bin, so gab es auch Momente, in denen ich fasziniert, mitgenommen war. In denen ich Hoffnung und Motivation schöpfte. Jamaika ist nicht mein Land, definitiv nicht, aber ich habe die Natur, die Begebenheiten, die Begegnungen, spezielle Kulturen und die Atmosphäre dort mit vollem Herzen genossen.



Das war der definitiv letzte Eintrag zu Jamaika. Für den folgenden verlassen wir die Karibik und gehen zur Mitte der Welt, nach Südamerika, nach Ecuador.

18.2.14 13:08
 
Letzte Einträge: Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Pädagogik, Rastafaris und Inspiration in Jamaika , Erste Eindrücke aus Ecuador, Menschen in Quito und Verkaufsstrategien


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