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Menschen in Quito und Verkaufsstrategien

 

Kreeiren wir mal ein Bild von Quito, eines, das mir täglich geboten wird.
Ecuador ist ein Schwellenland, auf der Schwelle zwischen arm und reich. Zwischen Fortschritt und sozialer Probleme. Das kann man relativ gut erkennen, wenn man über Quitos Straßen schreitet.
Du siehst die muntere, moderne Jugend, die miteinander scherzt, die die westlich verbreitete Kleidung trägt und die die Konsumwelt, die Welt der Späße und Freuden, genießen zu scheint. Du siehst die Frauen (in diesem Moment, jetzt wo ich es niederschreibe, fällt mir auf, dass es wirklich nur Frauen sind), die in traditionellen Kleidern, einem geflochtenen Zopf und viel (gespielter?) Würde herumlaufen, die, die noch auf Tradition bewahren und versuchen, es nach außen zu übermitteln. Du siehst vor allem abends die Ecuadorianer, die sich irgendwo mitten des aktiven Drogensumpfs befinden, die, die auf offener Straße herumpöbeln, herumwanken, auf Ideen, die die Vorstellungsgrenze übertreffen, kommen. An diesem Zeitpunkt ist eine Geschichte, die ich während meiner Zeit hier schon recht oft zu Ohren bekommen haben, angebracht. An Silvester wurde ein Freiwilliger vor seinem Wohnhaus von zwei Junkies zu Boden gestochen, diese versuchten anschließend in das Haus einzubrechen, wurden von der Polizei festgenommen und nach der Festnahme hatte eine der Junkies noch den "Mut" den am Boden liegenden Freiwilligen heftig zu treten. Das sind die Junkies in Quito, eine der vielen Gefahren...
Du siehst auch die herausgeputzten, sichtbar (im Beruf) erfolgreichen Menschen, die Frauen, die in ihren hohen Schuhen die Straßen entlangstöckeln und die an den positiven Aspekten der ecuadorianischen Wirtschaft teilaben dürfen. Und wenn du all die anderen Gruppen nicht siehst, dann siehst du einen Teil der Gesellschaft aber ganz deutlich. Die Straßenverkäufer, die Bettler, die Kinder. Nachts laufen 7-jährige Kinder herum und verkaufen Zigaretten. Sie schauen dich an, mit großen Augen voller Hoffnung, voller Zwang, voller grauer Zukunft. Die Kinderbettler in Indien waren schlimm, möglicherweise schlimmer. Aber in Indien ist Armut in jeder Ecke, die du erblickst. Wenn du aber in Ecuador abends weggehst, in einen Club voller betuchterere Menschen, und dann danach dreckige, zitternde Kinderhände siehst, die dir etwas verkaufen wollen. Etwas verkaufen müssen. Dann geht es dir dreckig, dann zitterst du. Es holt dich an den Boden der Tatsachen, an den ecuadorianischen Boden zurück, das ist gut. Aber dieser Boden ist nicht gut, ganz und gar nicht.

Mein erstes Wochenende verbrachte ich mit einer Freundin an der Küste, was sich als gute Wahl herausstellte. Der warme Pazifik, Hängematten bis das Auge reicht, abwechslungsreiches Essensangebot und richtig gute, tiefgehende Gespräche. Da Aktivitäten hier nicht wie in Jamaika nur für reiche US-Amerikaner, etc angeboten werden, machten wir sonntags einen Strandritt, welcher ohne Frage wunderbar war (so ritten wir zu einer Höhle mit Fledermäusen im Meer), was aber auch insofern interessant war, dass wir durch die vom Dorf abgelegenere Landschaft unseren Weg bahnten und dort die Häuser der Menschen, die nicht vom Tourismus sondern von der Landwirtschaft leben, sahen. Instabil, undicht, voller Alternativbereitschaft. Das sind genau die, die nichts von der Masse der Touristen, die in den kleinen, sehr beliebten Ort strömen, abbekommen haben oder nichts abbekommen wollten? Vielleicht wollten sie sich bewusst von dem Tourismus, der Ausbeutung durch Tourismus distanzieren? Das wäre eine Möglichkeit, aber wenn man die humane Gattung, die nach Geld und "Glück" strebt, betrachtet, wohl eine sehr geringe Möglichkeit. Im Prinzip heißt es nur, dass auch in so einem kleinen Ort mit so viel Touristen noch lange nicht alle profitieren..


Kommen wir zu ecuadorianischen Verkaufsstrategien. Straßenverkäufer gab es in Indien und in Jamaika auch, aber in Ecuador überraschen sie mich mit viel Geschick und einer recht ausgeklügelten Taktik. So saßen wir in einem Übernacht-Bus und haben gewartet, dass dieser losfährt, als ein junger Mann mit einer Kiste Schokoladenriegeln hereinkommt. Diese werden angepriesen und dabei auf alle Passagiere, die sich nicht wehren, verteilt. Dann hat man drei Schokoladenriegel in der Hand, hat genügend Zeit sie zu mustern, sich von den verführerischen Abbildungen auf der Verpackung mitreißen zu lassen, sich zu überlegen, wie sie wohl schmecken. Und dann geht der junge Mann wieder durch die Reihen und sammelt sie ein – außer man möchte zahlen. Welch gute Strategie, den von Natur aus gierigen Menschen erst etwas zu geben, ihnen Lust zu machen und es ihnen dann wieder wegzunehmen. Da denkt man dann wirklich ernsthaft darüber nach, ob man nicht lieber den einen Dollar zahlen und dafür die Riegel behalten soll. Der Fokus liegt auf behalten! Normalerweise ist die Aktion das Kaufen, bei der man aktiver sein muss und deshalb auch mehr Zweifel aufkommen lässt, aber wenn man es schon in der Hand hat, reicht theoretisch der Griff in den Geldbeutel. Das haben viele Menschen in dem Bus auch mit sich geschehen lassen.
Eine simple, aber effektive Strategie.



Bald gibt es mehr über die Infrastruktur Quitos, befremdliche Karnevalstraditionen, die kulturelle Hauptstadt Ecuadors und noch einiges mehr.

7.3.14 16:38
 
Letzte Einträge: Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Deutsche Pension, Busexplosion und Silvester in Jamaika, Pädagogik, Rastafaris und Inspiration in Jamaika , Drei Monate Jamaika - Überraschungen, Freuden der Natur, Fassungslosigkeit, Erste Eindrücke aus Ecuador


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